Historie

Bürger- und Gartenbauverein Osternburg-Dammtor von 1859

Am 11. Dezember 1859 gründete sich der „Osternburger Verein“ im Schützenhof „Zur Wunderburg“ an der Wunderburgstraße (heute Straße „Am Wunderhorn“). Laut Statut Artikel 1 war sein Zweck, „durch freundschaftliche Unterhaltung, Lesen von Zeitschriften, gesellige Spiele, Tanz- und anderen Parthien den Mitgliedern Erholung von ihren Berufsgeschäften zu gewähren“. Es ging nur um Geselligkeit, denn die Statuten lauteten: „Jedes Mitglied des Vereins ist schuldig, dahin zu wirken, dass eine fröhliche und heitere Stimmung in der Gesellschaft unterhalten wird. - Der Verein hatte es darüber hinaus von Anfang an zur Aufgabe gemacht, die „ Interessen der Gemeinde Osternburg in jeder Weise zu fördern“. Öffentliche Aufmerksamkeit war aber offenbar nicht im Sinne des Vereins, denn über die Mitgliederstruktur und das Vereinsleben liegen keine Unterlagen vor. In der Folgezeit gab es in diesem Verein in Osternburg Bürger, die sich aus verschiedensten Gründen trafen, um ihre Anliegen in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Aktiv wurden sie zum Beispiel bei Gemeinderatswahlen. Ein Landtags- und Reichstagsabgeordneter aus Drielake regte an, in Osternburg einem Bürgerverein die entsprechenden Statuten zu geben und dabei die Ideen von 1859 einzubeziehen. Hier waren nunmehr „Menschen aller Berufsstände und aus allen Teilen der Gemeinde willkommen, die die Gemeindeinteressen vor die Sonderinteressen stellten und die Besserung der Gemeindeverhältnisse anstrebten“.
In diesem Sinne wurde am 5. Februar 1898 der „Osternburger Bürgerverein“ gegründet. Noch im gleichen Monat wurde die Gaststätte „Harmonie“ an der Dragonerstraße Vereinslokal. Ziel des Bürgervereins war es, die Interessen Osternburgs gegenüber der Landesregierung in Oldenburg zu vertreten.
„Unsere Zeit steht im Zeichen einer außerordentlich raschen Entwicklung auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens“. Dazu gehörten neben Veranstaltungen zur Unterhaltung und „Belehrung“ u. a. die Verbesserung im Kommunalwahlrecht, Auf-stellung von Bebauungsplänen, Verbesserung der Straßen und Wege, der Straßenreinigung und Straßenbeleuchtung, die Anlage von Wasserleitungen und Kanalisation, die Anpflanzungen von Bäumen, die Einrichtung von Schulen und vieles mehr (vergleichbar den Aufgaben im heutigen Bürger- und Gartenbauverein Osternburg-Dammtor). Bis zum Beginn des 1. Weltkrieges 1914 waren die Vorbereitungen von Gemeinderats- und Landtagswahlen und die Aufstellung der Listen der Kandidaten Aufgaben und Themen im „Osternburger Verein“.
Dabei gab es nicht selten „tagespolitische Meinungsverschiedenheiten und persönliche Rivalitäten. “Es wurde auch „verbal kräftig ausgeteilt“. „Bürger, die nicht nach der Pfeife einiger Herren im Bürgerverein tanzen wollten, wurden nicht gewählt“. Auch zu Beginn der Weimarer Republik 1919 bot der Bürgerverein den bürgerlichen Parteien, darunter die SPD, zum letzten Mal für deren Listen Mitglieder an. 1922 wurde Osternburg ein Stadtteil von Oldenburg. Dadurch veränderte sich auch der Aufgabenbereich des Vereins. Er richtete sein Augenmerk durch Vorträge städtischer Beamter auf die Entwicklung der städtebaulichen und technischen Infrastruktur des neuen Stadtteils, aber auch zur „Vorgartengestaltung,
Balkonschmuck, Blumenpflege und Vogelschutz“. 1927 verteilte der Bürgerverein an
Schulkinder 500 Blumenpflanzen und stellte 32 gestiftete Ruhebänke auf. Mitglieder
pflanzten im Stadtteil 5000 Bäume und Sträucher. Auf der Bremer Heerstraße wurden 1934 Lindenbäume gepflanzt. Ab 1932 wurden Gärten und Vorgärten von einer Kommission prämiert; von 2000 besichtigten wurden 400 ausgezeichnet. Das alles zeigt, dass der Verein einen neuen Betätigungsbereich gefunden hatte. Nach der Machtübernahme der Regierung durch die Nazis 1933 wurde auch der Bürgerverein neu strukturiert. Es gab jetzt eine Abteilung für „Heimatpflege“ mit den entsprechenden Veranstaltungen im Sinne der NS-Ideologie. Propaganda bestimmte auch das Wirken des Bürgervereins, der als Helfer der Staatspartei gesehen wurde. Bald passte ein Bürgerverein trotzdem nicht mehr als Interessenvertretung der Bürger in das politische Konzept. Die Bürgervereine wurden 1937 aufgefordert, sich aufzulösen, „da sie im nationalsozialistischen Staat keine Daseinsberechtigung mehr hatten“. Die Osternburger beschlossen allerdings, diesem Auflösungsbefehl nicht nachzukommen. Sie wandelten den Verein in einen „Garten-bauverein‘“ um und unterstellten ihn dem „Reichsnährstand“, der konzentrierte sich vor allem auf die Lenkung der Produktion, des Vertriebs und der Preise von landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Der Beitritt geschah im September1937 und wurde vom Staatanerkannt. Der Verein hieß jetzt „Gartenbauverein Osternburg-Dammtor“.
Nunmehr betrieb der Verein in „keiner Weise Politik“, sondern die „Förderung des Gartenbaus durch Belehrung, Bezug und Verteilung von Düngemitteln, Sämereien und durch andere geeignete Mittel“. Der Bürgerverein fungierte so als Verwalter und Verteiler von Saatgut aller Art, aber auch als „Verschönerer“ von Straßen und
Plätzen. Nach 1945 blieb es bei diesen Aufgaben, nur nannte man sich ab 1948 „Obst- und Gartenbauverein“, ab 1951 mit dem Zusatz „Bürgerverein“ und ab 1953 mit dem heutigen Namen mit dem Zusatz aus der Tradition „von 1859“. Seitdem haben sich bis in die Gegenwart zahlreiche Osternburger im Vorstand des Vereins engagiert. Heute, nach 160 Jahren, sind hier über 800 Mitglieder verzeichnet und er ist Oldenburgs ältester und in Deutschland zweitältester seiner Art.

Geert Claußen

Bild: Geert Clußen, OMZ, Matthias Schachtschneider - Osternburg - Ein Ort mit vielen Gesichtern

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